Liebe Lufthansa,

jetzt mal im Ernst: wer soll die Zielgruppe Ihrer Werbekampagne sein? Männer, deren Lebenspartnerinnen nichts anderes zu tun haben, als sich darüber zu freuen, das Wichtigste in deren Leben zu sein und in Frauenzeitschriften zu blättern? Vielflieger, die selbstverständlich alle in heterosexuellen, monogamen Beziehungen leben, mit Frauen, die natürlich keinen eigenen Status als Vielfliegende besitzen, von einer eigenen Kreditkarte ganz zu schweigen? Gab es eigentlich eine vergleichbare Aktion für Ihre Vielflieger_innen, die es ja irgendwie und irgendwo sogar bei Lufthansa  geben muss?. Bekommen deren „special men*“ auch die Möglichkeit, fleißig Meilen zu sammeln, damit die dann mit Schatzi auf einen romantischen Kurzurlaub nach – natürlich – Paris fliegen können oder sind die Geschlechterklischees  da nicht so einfach umkehrbar?

Au weia… Ganz klar, „Mad Men“ ist eine tolle Fernsehserie, aber ausgerechnet die Agentur Sterling Cooper mit Ihrer Werbung zu beauftragen, war dann vielleicht doch keine so gute Idee. Vielleicht interessiert es Sie, was meine Mutter (Jahrgang ’54 und nicht unbedingt Feministin) zu Ihrer Aktion gesagt hat: „Hat das ein Mann geschrieben?“ – „Wer soll den der Adressat von diesem Brief sein?“ – „Wo sind die letzten 40 Jahre geblieben?“  und „Ganz schön blamabel“.

Dem gibt es eigentlich nicht mehr so viel hinzuzufügen, außer vielleicht den bahnbrechenden Hinweis, dass wir heute den 21.06.2012 schreiben. 21. Jahrhundert also. Viel Erfolg bei der Landung!

Beste Grüße,

Franca M’hamdi

PS: Über die In- und Exkusionsmechanismen Ihrer Kampagne haben sich noch andere Gedanken gemacht – und zwar wesentlich ausführlicher als ich. Lesempfehlung!

Nachtrag vom 22.06.2012:

Seit gestern Abend verschickt die Lufthansa folgende Nachricht an alle, die sie auf Twitter für ihre Kampagne kritisiert haben: „LH und Miles&More entschuldigen sich für das Woman’s Card Mailing. Alle begleitenden Maßnahmen haben wir gestoppt.“ Gegenüber Süddeutsche.de äußerte die Lufthansa, es wäre zu keiner Zeit ihre Absicht gewesen „überholte Rollenbilder zu bedienen“. Warum die Kampagne dann überhaupt mit diesem Inhalt geschaltet wurde, bleibt offen. Peinlich bleibt das für ein Unternehmen, das stolz darauf ist, der erste DAX-Konzern mit einer Frau an der Spitze zu sein, allemal. Sexistische Werbung schalten aber auch andere Airlines, wie zum Beispiel Air Berlin. Deren Kampagne geht nach gleichen Logik ganz selbstverständlich davon aus, dass Frauen für ihre Finanzen nicht selber aufkommen. So viel zum Thema überholte Rollenbilder im Jahr 2012.